Mecklenburger Seenrunde: Martins Tourbericht

Es sind jetzt nur noch wenige Tage bis zum Start. Die Aufregung wird langsam immer größer und so manche Angstgefühle, dass ich vielleicht doch versagen könnte, kreisen in meinem Kopf herum. Gleichzeitig steigt die Vorfreude auf diese tolle Herausforderung. In Gedanken versuche ich mir schon vorzustellen, wie die Landschaft aussieht. Meine Radbekleidung und sonstiges Equipment, Verpflegung usw. liegen bereit und werden mittels Checkliste abgeglichen, ob nicht doch noch irgendetwas vergessen wurde. Das Auto kommt soeben und gleich geht es los nach Neubrandenburg. Das Fahrrad und die Klamotten eingeladen – und schon sind wir auf der Autobahn.

Die Anreise hat reibungslos geklappt und wir haben auch schon im Hotel eingecheckt.

Habe grad die Startnummern und das Starter-Kit abgeholt. Auf dem Fest hier ist eine super Stimmung, die Sonne strahlt und man spürt schon so richtiges Radfieber. Im Zelt der Deutschen Post verteilt Joey Kelly Autogramme. Auf der Bühne erzählt er von seinen großartigen Erlebnissen im Ausdauersport und gibt noch einige Tipps für 300km-Strecke.

Das Radteam der „Deutschen Post“ und der AOK werden vorgestellt, auch das Team „Besi & Friends“, „Rad statt Rollstuhl“ und „Stefan Kirchmair“ von Kirchmair Cycling, der den Trainingsplan für die MSR entworfen hat. Jetzt noch etwas Leckeres essen und zurück zum Hotel. Morgen geht’s endlich los. Im Hotel angekommen habe ich die Startnummern angebracht, mein Fahrrad überprüft und alles für die Tour bereit gelegt.

Heute ist Samstag, der 27.05.2017. Es ist 2.00 Uhr morgens, und ich habe vor Aufregung keine Sekunde schlafen können. Schnell Kaffee kochen, duschen, ankleiden und um 3.30 Uhr geht’s los zum Start.

Wir sind pünktlich um 4.30 Uhr gestartet und ich bin dicht an einer großen Gruppe Rennradfahrer dran geblieben. In deren Windschatten konnte ich die ersten 76 Kilometer mit gutem Tempo vorankommen. Als die Gruppe ins Depot Neustrelitz eingekehrt ist, war ich allein auf der Strecke. Denn ich bin weiter gefahren. Bei Kilometer 100 kam dann ein kleiner Leistungseinbruch, und ich musste mit meinen Kräften haushalten. Ich habe ständig neue Energie aufgefüllt und war nach 40 Kilometern wieder voll dabei. Die Temperaturen steigen weiter an, und ich werde immer wieder von großen Gruppen überholt. Sie kamen teilweise mit einer rasanten Geschwindigkeit angerollt, als würde ein ICE an mir vorbeirauschen.

Ich bin mein eigenes Tempo gefahren. Viele der Vorbeifahrenden sprachen ihren Respekt aus, dass ich diese Distanz mit dem Mountain Bike bewältige. Das hat mich auch motiviert, nicht aufzugeben. Es sind jetzt noch 100 Kilometer bis zum Ziel und bis auf zwei Minipausen bin ich nun schon viele Stunden Non-Stop unterwegs. Die Hitze zehrt langsam an meinen Kräften. Ich habe den Fehler gemacht und bin bei Kilometer 216 am Depot Alt-Schönau vorbeigefahren. Meine Flüssigkeitsvorräte gingen langsam zu Ende und jetzt kam auch der zweite Leistungseinbruch. Ein Radler, den ich 150 Kilometer vorher getroffen hatte, gab mir seine Trinkflasche und wir plauderten kurz. Durchhalten war angesagt, denn aufzugeben war für mich keine Option. Bis zum Depot Möllenhagen bei Kilometer 261 bekam ich auch noch fast einen Krampf im linken Oberschenkel. Bin schnell abgestiegen, hab meinen Muskel gedehnt und dann gleich weitergefahren. Endlich im Depot.

Dort habe ich 1l Cola getrunken, zwei Trinkflaschen aufgefüllt und eine halbe Banane gegessen. Nach ca. 30 Minuten ging es weiter. Die letzten 39 Kilometer bin ich bei einer 4köpfigen Gruppe Rennradfahrer geblieben und konnte nochmal richtig gut Zeit rausholen. Mit denen bin ich dann bis  ins Ziel gefahren.

Als mir die Medaille umgehängt wurde, hatte ich fast Freudentränen in den Augen. Voller Glücksgefühle und stolz bin von meinem Rad abgestiegen. Ich habe das Ziel nach 12 Stunden, 49 Minuten und 33 Sekunden erreicht. Das sind mehr als zwei Stunden früher, als ich eigentlich geplant hatte. Trotz der Hitze waren die Windverhältnisse optimal und dank meiner Kopfbedeckung unterm Helm habe ich keinen Sonnenstich bekommen.

Dieses Gefühl, wenn man von einer großen Gruppe mitgezogen wird, ist überwältigend. Man ist automatisch schneller und motivierter. Das war eine großartige Erfahrung für mich. Durch Willensstärke kann man Großes erreichen. Selbstverständlich gehören auch Trainingsvorbereitung und das richtige Equipment dazu.

Die Mecklenburger Seenrunde ist durchdacht organisiert. Auf der Strecke lagen sieben Versorgungsdepots. An großen Kreuzungen wurde der Verkehr geregelt. Die Strecke war gut ausgeschildert. Rettungskräfte, Sportfotografen und die Bewohner in den Orten haben uns alle angefeuert. Das war eine fantastische Atmosphäre.  Ich freue mich schon auf nächstes Jahr.

Ein großes Dankeschön an meine Frau Stephanie und ihre Schwester Moni, dass Ihr diesen Wahnsinn mitgemacht habt. Danke an APONEO und allen anderen, die mich so toll unterstützt und an mich geglaubt haben. (Autor APONEO-Mitarbeiter Martin Brandt, Neubrandenburg, 27.05.2017)

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