Hat der stationäre Handel gegen den E-Commerce eine Chance?

Dem Thema „E-Commerce und Einkaufsstraße – Symbiose für die Zukunft?“ widmete sich die Talkrunde der Veranstaltungsreihe „E-Commerce-Hauptstadt Berlin“, die Aponeo-Chef Konstantin Primbas nun zum dritten Mal veranstaltete. Das Plenum diskutierte verschiedene Ansätze, wie stationärer und Online-Handel voneinander profitieren können. Einigkeit herrschte, dass beide Handelsformen den Kunden unterschiedliche Vorteile bieten und für einige Branchen daher besonders geeignet wären.

Infos zur Veranstaltung: Einladung, Pressemitteilung

Am Montag, 10. März 2014, diskutierten im Palais der Kulturbrauerei:

  • Prof. Gerrit Heinemann (Hochschule Niederrhein) forscht in Mönchengladbach zum Thema onlineinduziertes Kaufverhalten: „Der Handel ändert sich, weil der Kunde sich ändert und sich als Techniknutzer durch Internet und Smartphone emanzipiert.“
  • Sascha Lobo (Blogger und Spiegel-Online-Kolumnist) sieht einen Trend zur „Kaufanimation durch das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Kauf-Community, die sich in Netzwerken herausbildet.“
  • Alexander Graf (eTribes GmbH, Gründer der Hamburger Beratungsagentur für digitale Netzwerke) erkennt derzeit kein brauchbares Konzept, das kleine Online-Händler gegen die Versandgiganten aufstellt: „Auch wenn soziale Konzepte stärker ins Spiel kommen, am Ende wird doch weiter über Amazon abgewickelt.“
  • Martin Groß-Albenhausen (Referent für E-Commerce und Marketing beim Bundesverband des Deutschen Versandhandels) plädiert für einen produktorientierten Ansatz, der stationär und online geeignete Mittel einsetzt: Man müsse „eine Verkaufsdramaturgie entwickeln und die Ware stimmig inszenieren.“
  • Jochen Krisch (Herausgeber von Exciting Commerce) übernahm die Moderation.

In der Debatte ergaben sich für den stationären Handel zahlreiche Vorteile. Durch die Präsentation in der Fläche wird das Erleben und das Ausprobieren sowie das haptische Gefühl befriedigt. Vor allem haben die Verkäufer einen direkten Kundenkontakt und können so ihre Zielgruppe persönlich kennenlernen und die Kundenbindung direkt stärken. Zu oft werde allerdings der E-Commerce als Gegner gesehen und keine geeignete Symbiose gesucht. Eine Ursache kann in der eingesetzten Software zur Warenwirtschaft und der technischen Kompetenz der Händler gesehen werden.

Nachfragen des Publikums motivierten zu weiteren Gedankenspielen, die über konkrete Beispiele und Versuche hinauswiesen. An einer konkreten Prognose wollte sich zwar niemand beteiligen, doch dass das nächste „große Ding“ alles umkrempeln würde, stand außer Zweifel. Mit seiner These eines Social Commerce, der weit über Facebook und Amazon-Rezensionen hinausgehen müsse, positionierte sich Sascha Lobo als Vordenker, der das Thema E-Commerce über bestehende kaufmännische Denkmodelle hinaus versteht.

Die Debatten und Unterhaltungen zogen sich noch lange nach der Plenum-Debatte im Publikum hin und griffen viele Gedanken auf. Dabei wurde klar: Der Kunde agiert immer selbstbewusster und entscheidet selbst, welches Geschäftsmodell eine Chance hat. Mit dem schlichten Betreiben eines Webshops ist es jedenfalls nicht getan.

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